pferdewetten.de im Detail: Umsätze 2024, Produkt und stationäre Expansion

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Die Plattform, die im Hybrid-Modell zwischen Online und stationär wächst
pferdewetten.de AG ist der strukturelle Ausreißer im deutschen Pferdewetten-Markt — das einzige börsennotierte Unternehmen der Branche mit einem expliziten Fokus auf hybride Vertriebsmodelle. Während andere Anbieter rein online operieren und manche traditionellen Rennvereine rein am Schalter verkaufen, baut die pferdewetten.de AG parallel beide Vertriebskanäle aus. Die Zahlen 2024 bestätigen die Strategie eindrucksvoll: Der Gesamtumsatz erreichte 46,33 Millionen Euro, ein Plus von 82 Prozent gegenüber den 25,35 Millionen Euro des Vorjahres.
Pierre Hofer, Vorstand der pferdewetten.de AG, formulierte den Kurs in einem Quartalsbericht so: „Wir setzen ganz bewusst auf den Ausbau über Franchise-Unternehmen und Eigenbestand.“ Das ist keine Randbemerkung, sondern die strategische Kernentscheidung des Unternehmens. Während das reine Online-Geschäft in Deutschland regulatorisch gedeckelt ist — Einzahlungslimits, Werbebeschränkungen, Steueraufwand —, bietet der stationäre Wettshop-Vertrieb eine zweite Wachstumsachse. Die Dimensionen der letzten Jahre zeigen, wie stark diese Achse greift.
Das Segment der klassischen Pferdewette
Der Kernbereich — die Pferdewette im ursprünglichen Sinn, online platziert auf deutsche und internationale Rennen — brachte 2024 genau 10,52 Millionen Euro Umsatz. Interessanterweise war das ein Rückgang gegenüber den 12,95 Millionen Euro des Vorjahres 2023. Das klassische Pferdewettgeschäft schrumpft also bei pferdewetten.de AG nominal — obwohl der deutsche Pferdewetten-Gesamtmarkt gleichzeitig mit 30,8 Millionen Euro Totalisator-Umsatz beim Deutschen Galopp einen Rekord aufstellte.
Die Erklärung liegt in der Marktstruktur. Der Deutsche-Galopp-Totalisator läuft über Wettstar als digitalen Arm und bindet einen großen Teil der wachsenden Einsätze direkt an sich. pferdewetten.de AG mit Festkurs-Modell konkurriert nicht um denselben Kuchen, sondern hat eine eigene Kundenbasis, die saisonale Schwankungen zeigt. Ein starkes Derby-Jahr lässt die Einsätze steigen, ein schwaches Jahr mit wenigen internationalen Top-Rennen dämpft die Zahlen.
Der Produktfokus im klassischen Bereich ist Festkurs mit ergänzender Totalisator-Vermittlung. Wer bei pferdewetten.de eine Siegwette auf das Deutsche Derby platziert, bekommt eine Festkurs-Quote zum Zeitpunkt der Wettabgabe, die unabhängig vom Totalisator-Endverbrauch ist. Daneben gibt es die Möglichkeit, in den Totalisator-Pool weiterzuleiten, wenn der Kunde das ausdrücklich wählt.
Internationale Rennen sind breit abgedeckt — von den britischen Gruppe-I-Events über die französischen PMU-Rennen bis zu den amerikanischen Triple-Crown-Eröffnungen. Die Plattform hat über die Jahre konsistent ein breites internationales Rennprogramm aufgebaut, das einer der Gründe für die Markenbekanntheit im deutschen Markt ist.
Die stationäre Expansion: 190 Prozent Wachstum in einem Jahr
Hier liegt die eigentliche Wachstumsgeschichte der letzten Jahre. Der stationäre Sportwetten-Shop-Umsatz der pferdewetten.de AG wuchs 2024 von 11,82 Millionen Euro auf 34,33 Millionen Euro — ein Plus von 190 Prozent in einem einzigen Jahr. Zum Vergleich: Das klassische Online-Pferdewettgeschäft schrumpfte im selben Zeitraum um etwa 20 Prozent. Die Gewichte innerhalb des Unternehmens haben sich damit fundamental verschoben.
Bis Mai 2024 betrieb das Unternehmen 144 stationäre Wettshops in Deutschland, mit dem erklärten Plan, die Zahl bis Ende des Jahres auf 220 auszubauen. Diese Shops funktionieren teils im Franchise-Modell, teils als Eigenbestand — das heißt, pferdewetten.de AG stellt die Marke, das Produkt und die Backend-Systeme, die lokalen Betreiber führen die operative Geschäftsführung an ihrem Standort.
Inhaltlich sind diese Shops keine reinen Pferdewetten-Annahmen. Der überwiegende Teil der Einsätze in den stationären Filialen entfällt auf Sportwetten — Fußball, Tennis, eSports und andere Sportarten dominieren das Umsatzvolumen. Pferdewetten bleiben präsent, aber als Nischenprodukt. Das erklärt, warum das Gesamtunternehmen heute mehr Sportwetten-Geschäft als Pferdewetten-Geschäft abbildet, ohne seine Identität als Pferdewetten-Pionier aufzugeben.
Die Expansionsstrategie ist regulatorisch interessant. Während die Online-Werbung für Glücksspiel in Deutschland stark reguliert ist, sind stationäre Wettshops ein traditioneller Vertriebskanal mit eigenen Marketing-Spielregeln. Ein Shop in einer Innenstadt ist sichtbar, ohne dass er aufdringliche Online-Werbung schaltet. Für eine Marke, die historisch im digitalen Bereich groß geworden ist, ist die physische Präsenz eine Form der Markenverankerung, die Online-Marketing nicht ersetzt.
Die Produkt-Features: Cash-Out, Streaming, Statistik
Im Bereich der digitalen Produktausstattung hat pferdewetten.de über die Jahre Features integriert, die im deutschen Pferdewetten-Segment nicht flächendeckend verfügbar sind. Die Cash-Out-Funktion ist eine davon: Bei Schiebewetten und bestimmten Einzelwetten können Kunden vor Ablauf der vollen Rennkette gegen einen Abschlag aussteigen — sie nehmen einen reduzierten Gewinn mit und schließen die Wette vorzeitig ab. Bei reinen Totalisator-Anbietern ist das nicht möglich.
Die Streaming-Integration ist für Pferderennen weltweit verfügbar, meistens in HD-Qualität mit deutschem oder englischem Kommentar. Angemeldete Kunden mit Guthaben können die wichtigsten Renntage live verfolgen, inklusive der Vor-Rennen-Reportagen aus Paddock und Führring.
Statistikangebote sind tief in die Wett-Schein-Erstellung integriert. Bei jedem Pferd werden die letzten fünf oder sechs Rennen mit Positionen, Quoten und Jockeys angezeigt, dazu die aktuelle Form-Einschätzung des Redaktionsteams. Das ist ein Feature, das Einsteiger beim Einstieg in die Formanalyse unterstützt und die Plattform von reinen Buchmacher-Angeboten abhebt.
Daneben gibt es Systemwetten-Rechner, Bonus-Aktionen im Rahmen der deutschen Regulierung, Live-Wetten auf ausgewählte Rennen und eine vollständige Mobilapp-Variante. Die App ist für iOS und Android verfügbar und gehört technisch zu den ausgereiften Angeboten im deutschen Markt.
Die Ergebnissituation und das EBITDA
Die Wachstumsgeschichte des stationären Segments hat eine Schattenseite — die Investitionskosten drücken auf das operative Ergebnis. Das EBITDA der pferdewetten.de AG betrug 2024 minus 18,96 Millionen Euro. Das ist ein signifikanter operativer Verlust, der unter anderem durch außerordentliche Abschreibungen in Höhe von rund neun Millionen Euro beeinflusst wurde.
Für Investoren und Kunden bedeutet das: Die Plattform wächst, aber sie verdient aktuell kein Geld. Die Investitionen in das stationäre Netz, das Marketing und die Infrastruktur überschreiten die aus dem operativen Geschäft generierten Einnahmen. Das ist im ersten Expansionsjahr eines groß dimensionierten Filialnetzes nicht ungewöhnlich — wie sich das in den kommenden Saisons entwickelt, entscheidet über die langfristige Tragfähigkeit der Hybrid-Strategie.
Das Gross Gaming Revenue — also die rohe Wett-Einnahme vor Preisauszahlungen — lag 2024 bei etwa 68,4 Millionen Euro. Das ist eine substanzielle Größe, die zeigt, wie viel Wettvolumen die Plattform tatsächlich bewegt. Die Differenz zum operativen Verlust entsteht aus den hohen fixen Kosten des Filialnetzes und den Steuer- sowie Abgabelasten.
Für den einzelnen Kunden sind diese Zahlen relativ abstrakt, aber sie haben eine praktische Konsequenz: Eine Plattform mit solidem Umsatzwachstum und verlustbringender Ergebnissituation steht unter Druck, neue Kunden zu gewinnen und bestehende zu binden. Das zeigt sich in Bonus-Aktionen, Aktions-Wochen und Partnerschaften mit Rennbahnen. Wer die Plattform im Kontext aller lizenzierten Pferdewetten-Anbieter einordnen möchte, findet dort die vergleichenden Strukturen zu Wettstar und Racebets mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen.
Für den Kunden ist die Börsennotierung der pferdewetten.de AG ein nicht zu unterschätzender Faktor. Das Unternehmen legt quartalsweise Berichte vor, Zahlen sind öffentlich nachprüfbar, die Geschäftsführung muss Rechenschaft ablegen. Das ist eine Transparenzebene, die reine Privatunternehmen nicht bieten. Wer wissen will, wie wirtschaftlich gesund seine Wettplattform ist, hat bei einem börsennotierten Anbieter bessere Einblicksmöglichkeiten als bei Gesellschaften mit geschlossener Gesellschafterstruktur.
Warum wuchs das stationäre Segment 2024 deutlich stärker als Online?
Mehrere Gründe überlagern sich. Erstens: regulatorische Deckelung des Online-Glücksspielmarkts in Deutschland mit Einzahlungslimits und Werbebeschränkungen. Zweitens: Expansion des Filialnetzes von 144 auf geplant 220 Shops bis Ende 2024. Drittens: Sportwetten als umsatzstarker Zusatzbereich in den Shops, der die Pferdewette ergänzt und den Gesamtumsatz hochzieht.
Was bedeutet Franchise-Modell bei pferdewetten.de AG?
Das Franchise-Modell bedeutet, dass lokale Betreiber einen Wettshop unter der Marke pferdewetten.de führen, dabei aber eigenverantwortlich arbeiten. Die Muttergesellschaft stellt Marke, Backend-Systeme, Produktkatalog und Marketing-Rahmen bereit. Die lokalen Franchisepartner tragen die operativen Kosten vor Ort und teilen sich mit der Muttergesellschaft die Einnahmen nach vertraglicher Regelung.
Ist die pferdewetten.de AG auf der GGL-Whitelist geführt?
Ja. Die Plattform verfügt über eine DGGS-Zulassung und ist als lizenzierter Pferdewetten-Anbieter im deutschen Markt geführt. Die Lizenz deckt sowohl das Online-Geschäft als auch die stationären Wettshops unter der Marke pferdewetten.de ab — beide Vertriebskanäle laufen unter derselben regulatorischen Abdeckung.
Erstellt von der Redaktion von „Wetten Beim Pferderennen“.
